Buch des Monats Juli

Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen, btb (2026)

Ein halbes Jahr lang gehen wir in diesem Roman mit einem hochbetagten Mann durch seinen Alltag. Seine Frau ist seit einiger Zeit in einem Pflegeheim, weil sie durch ihre Demenz zu Hause nicht mehr angemessen versorgt werden kann.

Bo, unser Protagonist, wird von einem mobilen Pflegedienst betreut. Auch wenn die meisten Pflegerinnen und Pfleger sehr sensibel auf ihn eingehen, fühlt er sich doch oft fremdbestimmt. Durch seine Gedanken ziehen viele Erinnerungen. Das setzt ihm oft sehr zu, aber er findet nicht die Worte, um sich seiner Umwelt mitzuteilen und es fehlt ihm an Kraft für ein längeres Gespräch. Seine größte Freude ist sein Hund Sixten, der ihm Wärme und Geborgenheit vermittelt. Weil er sich nicht mehr ausreichend um das Tier kümmern kann, muss er ihn schließlich widerstrebend gehen lassen. Als dann auch noch sein einziger Freund Ture verstirbt, hat Bo keinen Lebenswillen mehr.

Er denkt viel an das Verhältnis zu seinem Vater zurück und möchte es eigentlich besser machen. Er möchte nicht ständig wütend auf seinen Sohn sein, der sich viel um ihn kümmert. Seine Enkelin ist sein Sonnenschein, aber auch ihr kann er nicht sagen, wie sehr er sie liebt. In allem fehlt ihm der Zuspruch und der Rat seiner geliebten Frau Frederika. Mit letzter Kraft sagt er seinem Sohn am Ende, wie stolz er auf ihn ist. Dann ist alles gesagt und getan und er kann in Frieden gehen.

Der Roman ist sehr berührend und er beschreibt sensibel die Realität des Alters und der Pflegebedürftigkeit. Leserinnen und Leser bekommen einen guten Einblick, wie wichtig es ist, alles rechtzeitig zur Sprache zu bringen, damit ein langes Leben friedlich zu Ende gehen kann. Roswitha Hillen, kfd-Diözesanvorstand