Unterstützung beim Wiederaufbau in Syrien
Stand: August 2026

Anfang Februar dieses Jahres ist das Gharsah-Zentrum vom Libanon nach Syrien umgezogen. Nach dem Sturz des Assad-Regimes wurde der Druck auf die syrischen Flüchtlinge im Libanon noch größer als zuvor, was viele Familien veranlasste, den Libanon zu verlassen und den Weg in eine unsichere Zukunft zurück in ihr durch den Bürgerkrieg zerstörtes Heimatland anzutreten. Nach über 14 Jahren Konflikt ist Syrien tief gezeichnet: Die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen sind stark geschwächt, und der Wiederaufbau wird auf über 216 Milliarden US-Dollar geschätzt. Rund 80 % der Bevölkerung sind arbeitslos oder auf humanitäre Hilfe angewiesen. Etwa 40 % der Schulen sind beschädigt oder zerstört, und rund 60 % der Gesundheitseinrichtungen sind nicht voll funktionsfähig. Die zurückkehrenden Familien siedeln sich am ehesten dort an, wo es bereits funktionierende Schulen gibt.
Das Gharsah-Zentrum ist offiziell in Syrien als „community-based foundation“ – eine NGO, also Nichtregierungsorganisation – registriert und legitimiert. 1,5 Zimmer wurden als kleines Büro in Hama (Bundesland und Stadt) angemietet – von dort agieren die mobilen Teams in die Fläche, d.h. in dörfliche Strukturen hinein, da der Bedarf dort größer ist als z. B. in Damaskus, im eher städtischen Umfeld. Gharsah arbeitet aktuell in zwei besonders betroffenen Regionen:
- in ländlichen Gebieten rund um Salamiyah (Hama)
- sowie in Otaybah in Ost-Ghouta/ im Gouvernement Rif Dimashq, etwa 26 km von Damaskus entfernt
Die beiden im Libanon etablierten Programme zur Unterstützung der Kinder (Child Education) und der Frauen (Women Empowerment) werden auch in Syrien fortgesetzt. Dem Team des Gharsah-Zentrums, dem 8 bis 9 festangestellte Mitarbeiterinnen angehören, ist bewusst, dass Bildung für die zurückkehrenden Familien eine der wichtigsten Voraussetzungen ist.
So unterstützte das Team vor Ort den Einzug in ein neues Schulzentrum, eine Mädchenschule in Outaybah, in der mittlerweile 600 Mädchen im Altern von 7 bis 13 Jahren unterrichtet werden. Durch kfd-Spenden konnten Schulmaterialien, Whiteboards und Basketballkörbe angeschafft werden, und 13 Lehrerinnen erhalten dort derzeit Englisch-Fortbildungen. Auch ein sogenanntes „Positive Parenting Programm“ zur psychosozialen Unterstützung der Familien kann durch kfd-Spenden finanziert werden und befähigt die Eltern, ihre Kinder bei Traumata und Ängsten zu begleiten. Weiterhin unterstützt das Gharsah-Zentrum 9 Schulen im Gebiet Salamiyah im Bundesland Hama (nördlich von Damaskus). Die Renovierungsarbeiten dieser Schulen sind fast abgeschlossen, so dass zeitnah etwa 1.300 Mädchen und Jungen hier unterrichtet werden sollen, wenn die Schule in Syrien im September wieder beginnt.
Das Bildungssystem ist im Aufbau und zugleich im Umbruch. Während es zu Zeiten des Krieges bzw. davor unterschiedliche Lehrpläne/Curricula für einzelne Regionen bzw. Schulen gab, ist die Zentralregierung nun daran interessiert, die Curricula zusammen zu führen. In diesem Jahr sind die Prüfungen aller Voraussicht nach zum letzten Mal nach den alten Curricula. Die Zentralregierung nimmt zunehmend seine Verantwortung im Bildungssystem wahr, wobei noch nicht abzusehen ist, inwieweit neben den „unkritischen“ Fächern wie Mathematik oder Physik in anderen Fächern wie Religion Einfluss genommen wird bzw. die Lehrpläne nicht demokratisch-freiheitlichen Denkmustern folgen, sondern starren islamischen Regeln. Die Diskussion darüber, was an religiösen Inhalten weitergegeben wird, ist noch nicht abgeschlossen. Hier sind Monitorings und Supervisionen durch zivilgesellschaftliche Kräfte geplant und im Aufbau begriffen.
Das Gharsah-Zentrum steht in direktem Kontakt mit den Bezirksbeamten für Bildung und kann hier neben den schulischen Angeboten außercurriculare Inhalte anbieten, wie die Unterstützung im psychosozialen Bereich zur Aufarbeitung der Kriegstraumata. Solche Angebote kann das Bildungsministerium selbst nicht machen und ist für die Unterstützung durch zivilgesellschaftliche Strukturen dankbar. Hier besteht eine große Dynamik – zum einen ist die Zentralregierung sehr bemüht, freiheitlich-demokratisch aufzutreten, zumal derzeit noch im Blickfeld internationaler Partner, zum anderen haben zivilgesellschaftliche Gruppen ein großes Interesse daran, die Entwicklung mitzugestalten und in freiheitliche Bahnen zu lenken.
Neben der Unterstützung der Kinder ist das Gharsah Zentrum weiterhin im „Women Empowerment Programm“ aktiv. In der Region um Salamiyah sind vor allem mobile Teams unterwegs, die in die Dörfer fahren und Frauen aufsuchen, die Gewalt erfahren haben, um hier Unterstützung zu geben. Auch hier sind weitere Aktivitäten geplant und Ziel ist es, ein Zentrum aufzubauen, das den Frauen einen Ort der Sicherheit und Zuflucht bietet. Weiterhin besteht Bedarf nach Trainings im Bereich „Interactive Training“ zu Lehr und Unterrichtsmethoden („Learning how to teach“).
Dank der kfd-Spenden war es möglich, flexibel auf die Bedarfe vor Ort reagieren zu können. So betonen unsere Projektpartner immer wieder die große Bedeutung der Spenden, mit denen Sie dieses Projekt unterstützen und die es ermöglichen, sich immer wieder auf die jeweilige Situation, die aktuellen Gegebenheiten einzustellen und akut Hilfe leisten zu können. Herzlichen Dank an dieser Stelle für Ihre Unterstützung.
Den Bericht inklusive weitere Bilder können Sie hier herunterladen.
Text: Tanja Fritzen
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