1.8.2026 - Aktionstag
Häusliche Gewalt und Femizide

Juli 2026 – Wenn Frauen sterben, nur weil sie Frauen sind, dann wird von Femiziden gesprochen. In Italien und Spanien werden Femizide bereits als Straftatbestand erfasst und als solche strafrechtlich verfolgt. Femizide sind in Deutschland noch kein eigener Straftatbestand. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat im Mai 2026 angekündigt, das Strafrecht bei Femiziden nachzuschärfen. „Zwar könne nach geltendem Recht schon heute die Tötung einer Frau aus Besitzdenken als Mord strafbar sein - in der Rechtsprechung gebe es aber immer noch diese Entscheidungen, ‘na ja, das war Eifersucht. Wenn der eifersüchtig war, war der in Rage. Dann ist er vermindert schuldfähig, und dann kann man es nur als Totschlag verurteilen.‘ Das wollen wir durch eine Klarstellung im Gesetz ändern“, sagte die Ministerin in einem Interview bei tagesschau.de.
In Deutschland gibt es bislang keine bundesweit einheitliche bzw. staatliche Definition von Femiziden. Am 21. November 2025 haben das Bundesfrauenministerium, das Bundesinnenministerium und das Bundeskriminalamt (BKA) die Bundeslagebilder "Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten" und "Häusliche Gewalt" für das Jahr 2024*) veröffentlicht. Aus den Lagebildern geht hervor, dass aufgrund geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen 308 Frauen und Mädchen starben. Davon wurden 191 Frauen im sogenannten Tatfeld „Häusliche Gewalt“ getötet: 132 Frauen wurden durch ihre Ex-/Partner und 59 Frauen von anderen Familienangehörigen ermordet.
Das Bundeskriminalamt hat am 21. April 2026 die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 veröffentlicht. Demnach sind u. a. Sexualdelikte um 2,8 Prozent gestiegen, Vergewaltigungen um 9,0 Prozent (seit 2018 um 72 Prozent). Bei den Sexualdelikten sind die Tatverdächtigen überwiegend Freunde, Bekannte sowie (ehemalige) Partner – und zu 98,6 Prozent männlich. Gewalt gegen Frauen findet also zum allergrößten Teil dort statt, wo Frauen eigentlich sicher sein sollten: bei ihnen zu Hause.
Der Aktionstag des diözesanen Fachausschusses Frauen stärken - Gewalt überwinden rückt besonders das Schicksal der 191 im Tatfeld „Häuslicher Gewalt“ getöteten Frauen in den Fokus. Hinter den nackten Zahlen stehen Frauen, die ihr Leben verlieren und Familien, die zerstört werden. Für jede dieser ermordeten Frauen wird am 1. August 2026 auf dem Vorplatz der Herz-Jesu-Kirche in Koblenz ein Paar Schuhe stehen. „Wir wollen die Menschen wachrütteln. Denn die Gewalt gegen Frauen ist kein Frauenproblem, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es darf nicht länger nur von Beziehungstragödien oder Eifersuchtsdramen gesprochen werden, wenn Frauen brutal von Ex/-Partnern ermordet werden. Die angestrebten Veränderungen des Strafrechts sowie eine bundesweit einheitliche Definition des Begriffes Femizid sind zwingend notwendig“, sagt Rita Monz, Sprecherin des FA aus Eppelborn (Saarland).
Wichtig ist den Mitgliedern des Fachausschusses auch, an diesem Tag auf Warnsignale (Gewalt beginnt nicht erst mit Schlägen), Hilfsangebote und Anlaufstellen für gewaltbetroffene Frauen aufmerksam zu machen. Keine Frau muss sich dafür schämen, Opfer von Gewalt geworden zu sein. Diese falsche Scham hält Frauen viel zu oft davon ab, Anzeige zu erstatten oder sich Hilfe zu suchen. Deshalb wird der Aktionstag auch von Vertreterinnen des Frauenhauses des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Koblenz begleitet. Sie stehen Hilfesuchenden beratend zur Seite.
Außerdem wird die Tanzperformance der Gruppe „rauMwErk & Friends“ das Thema Gewalt gegen Frauen künstlerisch unterstützen.
Einen 30-minütigen Input zum Thema Häusliche Gewalt und Femizide bietet der kfd-Fachausschuss um 11.30 Uhr und um 14.30 Uhr im Pfarrheim Herz-Jesu an.
*) Die Bundeslagebilder für 2025 liegen noch nicht vor.
Die vollständige Pressemitteilung kann hier heruntergeladen werden.
Fotoquellen: www.canva.com

