Buch des Monats Juni:

Mahbuba Maqsoodi & Hanna Diederichs: Der Tropfen weiß nichts vom Meer

Mahbuba Maqsoodi & Hanna Diederichs: Der Tropfen weiß nichts vom Meer. Eine Geschichte von Liebe, Kraft und Freiheit., HEYNE (2017)

Die Künstlerin Mahbuba Maqsoodi, vielen bekannt durch ihre Fensterbilder in der Abtei Tholey oder in der Pfarrkirche St. Josef im bayerischen Cham, hat zusammen mit Hannah Diederichs 2017 ihre Autobiografie veröffentlicht.

Geboren und aufgewachsen ist Mahbuba Maqsoodi in Herat. Hier erlebt sie gemeinsam mit ihren sechs Schwestern eine Kindheit und Jugend, die etwas anders ist als die ihrer Altersgenossinnen. Ihr Vater gründetet eine Schule für Mädchen, beide Eltern sind liberal: Sie verkaufen ihre Töchter nicht, überlassen ihnen die Wahl ihrer Ehemänner. In der traditionellen Gesellschaft sind selbstbewusste Frauen nicht gern gesehen. Als Afifa, ihre Schwester, von einem islamistischen Terroristen erschossen wird, verlässt Mahbuba zusammen mit ihrem Mann Fazl das Land. Ihre Lebensreise führt sie zunächst für Jahre nach Russland zum Studium, dort bekommt sie ihre zwei Kinder. Das politische Klima in Russland wird für ihre Familie schwierig. Der Bürgerkrieg in Afghanistan verhindert ihre Rückkehr und sie flieht schließlich nach Deutschland, wo man ihr 1994 politisches Asyl gewährte. Seit 1996 arbeitet Mahbuba als Künstlerin in München.

Die Sprache, die Mahbuba nutzt, ist kraftvoll, ausdrucksstark und bildhaft. Sie wählt Worte, die im ersten Moment irritieren, aber eine Tiefe und Schönheit von Sprache eröffnet, z. B. „...damit hatte ich nun endgültig die Verantwortung als beweglicher Flügel der Familie übernommen“. Die Biografie ermutigt und stärkt Frauen. Ich konnte das Buch nicht zur Seite legen und entdecke im zweiten Lesen wieder neue Stellen, die mich begeistern, anrühren.

Im Nachwort schreibt Mahbuba Maqsoodi: Das Leben ist in ständiger Bewegung, unabhängig davon, ob wir darauf achten oder nicht. Wir sind recht kurzsichtig und schauen meist nicht weiter als vor unser Füße, ein paar Schritte weiter vielleicht, manchmal. Das der bittere Ge-schmack der Erfahrung zum Fluss des Lebens gehört, wissen wir. Und diesen bitteren Ge-schmack muss man kosten, sich die Geduld wie ein Schild vor die Brust halten, um so ge-schützt zu den tiefen Atemzügen zu gelangen, die befreien.

Petra Erbrath, kfd-Diözesanvorstand

Hinweis:
Frau Maqsoodis Autobiografie bot auch den Rahmen für das Künstlerinnengespräch mit ihr, das wir im Mai in Zusammenarbeit mit der KEB Trier und den Josefsschwestern Trier angeboten haben. Den Bericht von dieser Veranstaltung finden Sie hier.