Buch des Monats Februar:

Pip Williams: Die Sammlerin der verlorenen Wörter

Pip Williams: „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“, HEYNE (2023)

Esme wächst Ende des 19. Jahrhunderts in England auf. Immer und überall gibt es Wörter um sie herum. Ihr Vater arbeitet mit an der Entstehung des Oxford English Dictionary, und das kleine Mädchen sitzt in seinen ersten Lebensjahren unter dem Tisch, auf dem die Wörter gesammelt, erklärt und sortiert werden. Dabei fallen manchmal Zettel herunter, die sie einsammelt und bei Lizzie, ihrer einzigen Freundin, in einem Koffer unter dem Bett aufbewahrt wie einen Schatz. In späteren Jahren fällt ihr auf, dass besonders die Wörter, die das Leben von Frauen betreffen, aus dem Raster fallen und nicht ins Lexikon aufgenommen werden. Das spornt sie an, zeit ihres Lebens solche Wörter zu sammeln.

Aufgrund einer Begegnung mit einer jungen Schauspielerin, die für das Frauenwahlrecht kämpft, stellt Esme ihr Leben als Helferin für die Lexikographen schließlich in Frage. Nachdem sie schwanger wird, gibt sie das geliebte Mädchen als ledige Frau in viktorianischer Zeit schweren Herzens zur Adoption frei.

Jahre später begegnet ihr die große Liebe. Diese steht durch den ersten Weltkrieg unter keinem guten Stern, aber ihr geliebter Mann bindet für sie mit Lizzies Hilfe ihre Frauenwörter als Buch. Und dieses Buch ist ihr Vermächtnis an ihre Tochter, die sie nie kennenlernen durfte und deren Leben fortan auch von Wörtern bestimmt wird.

Mir hat diese fiktive Geschichte so gut gefallen, weil sie einmal mehr zeigt, wie schwer es Frauen früher gemacht wurde und auch heute noch wird, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Es macht Sinn, dafür immer wieder zu kämpfen. Roswitha Hillen, kfd-Diözesanvorstand