Empfehlung des Monats März
Henning Sußebach: Anna oder: Was von einem Leben bleibt

Henning Sußebach: Anna oder: Was von einem Leben bleibt – Die Geschichte meiner Urgroßmutter, Verlag C.H.Beck (2025).
Eigentlich mache ich mir nichts aus Biographien. Aber dieses Buch hat mich fasziniert. Anhand weniger Erinnerungsstücke und Überlieferungen in der Familie macht sich der Autor auf die Suche nach der Lebenswelt seiner Urgroßmutter.
Manche Schilderungen basieren auf Vermutungen und Annahmen im Kontext zu dem, was von dieser Zeit gesichert überliefert ist. Dabei versteht es der Schreiber wunderbar, zeitgeschichtliche Geschehnisse mit der Lebenszeit seiner Urgroßmutter Anna zu verweben.
Viele Leserinnen werden aus den Erzählungen ihrer Mütter und Großmütter wissen, wie schwierig das Überleben nach den Kriegen immer war und wie viel es der Bevölkerung abverlangt hat. Das Buch erzählt aber auch davon, wie sehr Frauen um ihre Rechte und ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen mussten. Es ist bewundernswert, wie Anna sich in einer männerdominierten Welt durchzusetzen vermag und entgegen aller Konventionen ihren Weg geht.
Dieses Buch ist ein spannender Gang durch die Geschichte. Vielleicht können wir uns nach der Lektüre vorstellen, dass wir im Laufe unseres Lebens auch nur „Vorübergehende“ sind. Neues Wissen und neue Erkenntnisse werden immer eine Entwicklung im Gang halten und so wird unsere Art zu leben ebenso vergehen wie die Zeit, in der die kleine Volksschullehrerin Anna sich ihren Platz erobert hat.
Der Autor drückt es so aus: „Die Zeit gleitet wie die Lichtleiste eines Kopierers über die Generationen hinweg: Auf Dunkel folgt kurz hell, dann wird es wieder dunkel. Es geht schnell.“
Wie schön, ein solches Zeugnis gelebter und erlittener Vergangenheit in Händen halten zu können. Roswitha Hillen, kfd-Diözesanvorstand