Karfreitag, 03. April

Text auf dem Bild:

Wir standen da.
Nicht aus Mut, sondern aus Liebe. 
Unsere Füße wollten fliehen, doch unsere Herzen blieben. 
Der Himmel war dunkel, als hätte die Welt selbst den Atem angehalten.
Und dort hing er – zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod.
Maria, seine Mutter, war bei uns. 
Ihr Schweigen war lauter als jedes Weinen. 
Wir hielten ihre Hände, aber was kann man halten, wenn das eigene Kind stirbt? 
Wir sahen ihn an – zerschlagen, verspottet, verlassen. 
Die Soldaten warfen Lose, die Menge spottete – aber wir hörten nur seine Worte. 
„Vater, vergib ihnen.“ 
Wer vergibt so? 
Wer liebt so? 
Wir verstanden es nicht.
Wir blieben. 
Auch als alle gingen.
Auch als die Nacht kam.
Denn wir wussten: Dies war nicht das Ende. 
Es war ein Anfang, den wir noch nicht begreifen konnten.

Wo bin ich geblieben, obwohl es schwer war?

Wem bin ich treu geblieben – in der Dunkelheit?

 

Text: Andreas Paul / Bild: copilot - KI