Buch des Monats April
Barbara Kingsolver: Die Unbehausten

Barbara Kingsolver: Die Unbehausten, dtv (2025)
„Unbehaust“ kann vieles bedeuten: heimatlos, obdachlos, wohnungslos, entwurzelt – oder einfach nirgends wirklich zu Hause.
Die Geschichte nimmt ihren Lauf mit Willa Knox, Mitte fünfzig, freiberufliche Journalistin ohne feste Aufträge, zweifache Mutter und frischgebackene Großmutter. Ihr Mann Iano Tavoularis ist Unidozent, der sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelt. Dazu kommt sein pflegebedürftiger Vater Nick. Eigentlich ist die Familie Teil der Mittelschicht, doch sie kämpft zunehmend mit sozialem Abstieg. Die fehlende Krankenversicherung verschärft die Situation zusätzlich.
Das geerbte Haus ist stark renovierungsbedürftig – eigentlich ein Fall für den Abriss. Und es kommt noch schlimmer: Der Sohn ist nach dem Tod seiner Frau alleinerziehend, müsste aber eigentlich rund um die Uhr arbeiten, um seinen Studienkredit abzubezahlen. Die Tochter hingegen sucht noch ihren eigenen Weg.
Parallel dazu springt die Handlung 150 Jahre zurück. Das selbe Haus, eine andere Familie – und ähnliche Probleme, buchstäblich bis unters Dach. Egal ob damals oder heute: Probleme verlangen nach Lösungen.
Nebenan lebt Mary Treat, eine alleinstehende Biologin und Pionierin der Forschung. Ihre Figur zeigt, wie wenig sichtbar weibliche Wissenschaft oft war – und ist.
In einer großen Nation, in der jede und jeder angeblich sein Glück finden kann, ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Alles scheint im Wandel: Nicht nur das Haus bröckelt, sondern auch die Welt um die Menschen herum. So war es schon vor 150 Jahren – und so ist es auch heute.
Wie die Familien beider Zeiten versuchen, aus schwierigen Umständen das Beste zu machen, verpackt Barbara Kingsolver eindrucksvoll und gut lesbar. Die Figur der Biologin war mir vorher unbekannt, ist aber äußerst spannend. Wer dieses Buch liest, kommt um eigene Recherchen kaum herum. Marita Fitzke, kfd-Diözesanvorstand