kfd sammelt 11.600 Euro

|   Diözesanverband

zur Unterstützung der Textilarbeiterinnen in Bangladesch

Bonn/Trier - Dr. Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET und Expertin für Menschenrechte in der Textilindustrie berichtet zur aktuellen Lage in Bangladesch und dem Partnerprojekt der kfd: Die Corona-Pandemie hat die Arbeiterinnen in Bangladesch besonders hart getroffen. Rund 300.000 Beschäftigte haben zumindest vorübergehend ihre Arbeit verloren, einige auch für immer. Der Mindestlohn wurde zuletzt 2018 auf rund 80 EUR/Monat festgelegt, seither gab es keine Erhöhung, obwohl auch in Bangladesch die Lebenshaltungskosten stark steigen. Dies führt dazu, dass viele Näherinnen zum Monatsende ohne Geld dastehen und sich bei Geldverleihern verschulden müssen, die wiederum hohe Zinsen nehmen. Sie brauchen Geld, um die Miete zu zahlen, Medizin einzukaufen und die Familie zu ernähren. Mit dem Monatslohn kommen sie nicht über die Runden, deshalb legen sie „freiwillig“ Überstunden ein, um halbwegs zu überleben. Im kommenden Jahr sollen nach fünf Jahren endlich Lohnverhandlungen geführt werden. Federführend geschieht das zwischen den Unternehmensverbänden und den Gewerkschaften.
Unser Projektpartner, der Gewerkschaftsdachverband "National Garment Workers Federation“ berichtet: „dass ein Drittel der Parlamentsabgeordnete, Fabrikbesitzer sind, sie machen Gesetze und setzen die Gesetze um. Wenn sie die Stimme für die Rechte der Arbeitnehmer*innen erheben, bedeutet das, dass sie gegen diese mächtigen Aktivisten arbeiten. Das ist sehr riskant. Die Regierung bildete eine neue Elitetruppe „Industriepolizei“. Sie sollen für Frieden und Disziplin sorgen. Aber diese Elitetruppe wird eingesetzt, um die Arbeiterversammlungen, Kundgebungen, Streikposten, Streiks, Proteste usw. zu stoppen. Sie arbeiten tatsächlich gegen die Arbeiter. Das ist eine weitere große Herausforderung für uns.“
Die Corona-Pandemie hat auch die geschlechtsspezifische Gewalt sowohl am Arbeitsplatz als auch zuhause verstärkt, wie wir von unseren Partnerinnen hören. In der Fabrik werden weniger Arbeiterinnen beschäftigt, auf denen ein höherer Druck liegt, da die gleiche Menge an Waren produziert werden muss mit weniger Arbeitskräften. Der Druck führt zu Gewalt, Frauen werden angebrüllt, damit sie schneller arbeiten. Sie gehen weniger auf die Toilette, um die Produktionsreihe nicht zu stören, trinken deshalb weniger, was wiederum zu Krankheiten führt.
Jede*r kann was tun: Im Januar 2023 wird das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in Kraft treten. Wir als Konsument*innen können uns für die Einhaltung der Standards einsetzen. Unterschreiben Sie die Petition an Bundeskanzler Scholz.
FEMNET fordert: Jetzt müssen deutsche Unternehmen liefern. Die Menschenrechtsorganisationen drohen mit Beschwerde über Textilunternehmen, die die Sicherheit in Fabriken vernachlässigen. Ausführliche Informationen

Text: Petra Erbrath
Foto: FEMNET

 

Arbeiterin
Textilarbeiterin in einer Fabrik in Bangladesch