„Höre was ich nicht sage“

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Bericht zur Fachtagung der AG Tabubruch

Trier, November 2021 – Die Referentin, Sterbeamme Karin Olschewski, war schon früh vor Ort im St. Josefsstift in Trier. Pünktlich um 10 Uhr konnten die 18 Teilnehmerinnen begrüßt werden, nachdem sichergestellt war, dass alle geimpft, genesen oder getestet waren. Die Vorstellungsrunde dauerte gut 50 Minuten, weil jede Frau angeben sollte, was ihre Intention war, sich für diesen Tag anzumelden. Da wurden Impulse für die eigene Arbeit, Hilfestellung, Bestärkung, Unsicherheit und Möglichkeiten der Trauerbegleitung genannt. Damit waren die vereinbarten Vortragszeiten der Sterbeamme nicht mehr zu halten. Zielgerichtet ging sie auf die Erwartungen der Frauen ein, von denen zehn eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin hatten. Viele Frauen gaben an, etwas Besseres zu suchen, als sie selbst beim Sterben eines lieben Menschen erlebt haben. Da war nicht Theorie gefragt, sondern Praxis, die die Referentin sehr gut vermitteln konnte.

Nach einer Stunde Mittagspause begann Frau Olschewski dann noch mit einem Vortrag zu den unterschiedlichen Trauerphasen. In den ersten sechs Wochen fühlen sich Trauernde wie in Watte gepackt. Hier ist die Aufmerksamkeit des Umfeldes besonders wichtig, auch weil in dieser Zeit oft gravierende Gesundheitsstörungen auftreten. Wichtig ist auf jeden Fall, die Trauer der Zurückbleibenden ernst zu nehmen; Tränen müssen geweint werden. Trauergruppen können nach ein paar Monaten hilfreich sein, wenn nicht Vergleiche zwischen den einzelnen Schicksalen angestellt werden.

Am Nachmittag teilten sich die Teilnehmerinnen für eine kurze Gruppenarbeit auf. Nach einer halben Stunde trafen sich alle wieder im Plenum und stellten ihre Überlegungen dazu vor, wie es gelingt, Angehörige in den Sterbeprozess mit hineinzunehmen und sie mit der Realität des Sterbens vertraut zu machen, wenn sie die Lage nicht akzeptieren wollen oder können.

Um Angehörigen und Sterbenden die Situation zu erleichtern, ist einiges zu beachten:

  • Es ist wichtig zu fragen, ohne Vorgaben zu machen.
  • Ratschläge sind immer auch Schläge.
  • Eine Begleitung ist ein Angebot, keine „Zwangsbeglückung“.
  • Über allem sollte der Respekt gegenüber dem Kranken/Sterbenden/Trauernden und seinen Wünschen stehen.
  • Hadern mit „Versäumnissen“ hilft niemandem weiter („hätte, wäre, wenn“).
  • Wichtig ist immer mein Gegenüber: Er/sie macht die Vorgaben, was er/sie will und was er/sie braucht.

Es gibt viele Bilder aus früheren Zeiten, die einen strafenden Gott in den Vordergrund stellten und mit dem Jüngsten Gericht drohten. Das hat viel Angst erzeugt. Setzen wir dieser bedrohlichen Stimmung positive Bilder mit einer frohen Botschaft entgegen: Jesus liebt dich.
Und wie auch immer Menschen sich entwickelt haben, in der Regel haben sie ihr Bestes gegeben. Wenn Menschen in der Lage sind, mit so viel Vertrauen in den Tod zu gehen, wie es der Gänsehirt im Märchen tut, der sein Leben lang seine eigene Endlichkeit im Blick hat, machen sie den Tod für sich und die Angehörigen leichter.

Der Tag endete mit einer Andacht und dem Angebot der Referentin, sich bei Fragen jederzeit an sie zu wenden. Sie wird ihre Unterlagen zusammenfassen und für die Teilnehmerinnen zur Verfügung stellen. Auch die in der Osterzeit erscheinende Handreichung zum Thema Tod und Sterben wird den Frauen zugesandt. Die Fachkompetenz von Frau Olschewski war sehr gefragt und entscheidend für das Gelingen der Veranstaltung.

 

Text & Foto: Roswitha Hillen