Die (Ohn-) Macht der Frauen

|   Gewalt

Rückblick auf die Online-Veranstaltung mit Dr. Doris Reisinger

Trier/Koblenz/Saarbrücken – Frauen erfahren tagtäglich strukturelle, sexuelle und spirituelle Gewalt in der katholischen Kirche. Diese Gewalt zu benennen und in die Öffentlichkeit zu tragen, sieht der diözesane Arbeitskreis „Frauen stärken – Gewalt überwinden“ der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Trier als wichtige Aufgabe an. Aus diesem Grund wurde im Juni unter dem Titel „gleich und berechtigt - Die (Ohn-) Macht der Frauen in der katholischen Kirche.“ zu einer Online-Veranstaltung mit Dr. Doris Reisinger eingeladen. Sie ist Lehrbeauftragte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen und Mitarbeiterin am Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt. 2014 hat Frau Reisinger ihre eigenen Missbrauchserfahrungen in der katholischen Kirche öffentlich gemacht.

„Die Gewalt gegen Frauen in der Kirche ist untrennbar mit den Umständen verbunden, die sie ermöglichen oder erleichtern, vor allem sorgen sie für die Unsichtbarkeit und weitgehende Folgenlosigkeit der Übergriffe. Das heißt, wir können über Gewalt gegen Frauen in dieser Kirche nicht sprechen, ohne über den Status von Frauen in der römisch-katholischen Kirche zu sprechen. Um das zu tun, müssen wir über Macht sprechen. Mit Blick auf den Status von Frauen in der katholischen Kirche können wir an dieser Stelle sagen: Die Gesetze und Konventionen, die Frauen einen niedrigeren und abhängigen Status gegenüber Männern, insbesondere gegenüber Klerikern zuweisen, sind viele. Sie reichen historisch weit zurück und sie sind extrem effektiv,“ sagt Dr. Doris Reisinger u. a. in ihrem Impulsreferat.

Geradezu bedrückend waren die anonymisierten Schilderungen von Frauen und Mädchen, die von Klerikern sexuell und spirituell missbraucht wurden. Großes Unrecht und unvorstellbares Leid wurde und wird Menschen unter dem Dach der Kirche zugefügt. Das ganze Ausmaß der Missachtung von Frauen und der Gewalt gegen Frauen in Kirche und Ordensgemeinschaften ist bislang kaum im Fokus der Öffentlichkeit. „Eine Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche muss grundsätzlich auch die manipulative Seelsorge beseitigen. Unser aller Anliegen muss es sein, die Frauen zu hören, sie ernst zu nehmen und für sie einzutreten,“ sagte Rita Monz, Mitglied im kfd-Diözesanvorstand und Sprecherin des Arbeitskreises aus Eppelborn, am Ende der Veranstaltung.

 

„Wir haben keine einklagbaren Rechte und wir haben wenig Macht, aber wir haben Macht. Und die können wir nutzen. Und im Lichte alles dessen, was es an Gewalt gegen Frauen in der Kirche gibt, müssen wir sie nutzen." -  Dr. Doris Reisinger
 

Ja, wir wollen unsere Macht nutzen - gemeinsam mit Betroffenen!
Über das "WIE" werden die Mitglieder des Arbeitskreises im August 2021 in einem ersten Austauschtreffen mit Doris Reisinger und Johanna Beck (Mitglied des Betroffenenbeirates der Deutschen Bischofskonferenz) sprechen.

 

Weitere Informationen

  • kfd-Kampagne #MachtLichtAn
  • PowerPoint-Präsentation „gleich und berechtigt - Die (Ohn-) Macht der Frauen in der katholischen Kirche.“ des kfd-Arbeitskreises Frauen stärken - Gewalt überwinden
  • Die Pressemitteilung können Sie hier herunterladen.
  • 2019 fand die Veranstaltung „Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Kirche und Orden“ statt. Sie war die erste ihrer Art überhaupt. Initiatorin war die Arbeitsstelle Frauenseelsorge/ DBK in Kooperation u.a. mit der Deutschen Ordensobernkonferenz / kfd / KDFB. Im Herbst 2020 wurde als Resultat dieser Veranstaltung eine zentrale Online-Anlaufstelle für betroffene Frauen bei der Arbeitsstelle Frauenseelsorge/ DBK eingerichtet.

Text: Rita Monz
Fotoquelle:  CREATIVA IMAGES – stock.adobe.com

Nein, zu Gewalt an Frauen in Kirche!