Auszeit im Kloster – Besinnungstage auf Berg Moriah – Vorfreude für alle, die schon mal dabei waren, gespannte Erwartung für die, die sich zum ersten Mal auf dieses Wagnis einließen.
Auf Berg Moriah erwartete uns eine herrliche Natur, eine erholsame Stille und eine atemberaubende Fernsicht. Nach dem Bezug der Zimmer und einem leckeren Abendbüffet – das Essen war während der ganzen Zeit wieder hervorragend – trafen wir uns in der Aula zum ersten Kennenlernen und zum Einstieg in das Thema, das uns die nächsten Tage über begleiten sollte: Jakob und seine Frauen.
Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um die 30 ° ließen uns allein schon ins Schwitzen geraten, dazu dieses aufwühlende Thema um Liebe und Wertschätzung, um Zurückweisung und Ablehnung.
Da ist Lea – die ungeliebte Frau, die verkaufte Tochter, die verhasste Schwester. Und da ist Rahel – von Jakob geliebt, aber doch unglücklich, weil Eifersucht und jahrelange Kinderlosigkeit sie quälen. Zwei Schwestern – beide Töchter Labans und beide Jakobs Ehefrauen, werden zu Stammmüttern Israels. Ihre Geschichte ist eine Geschichte über Rivalität, Neid und Kampf um Schönheit, Fruchtbarkeit und um die Liebe eines Mannes. Es geht um geliebt und ungeliebt sein, um eine Ehe zu Dritt, um Leihmutterschaft und um die Menschenwürde von Frauen. Alles Themen, die heute aktueller sind, denn je.
Alle Gefühle, die diese Inhalte in uns auslösten, nahmen wir in die meditativen Tänze mit hinein. Hier konnten wir mit unserem Körper ausdrücken, was wir fühlten: Vertrauen, Verbundenheit und Dank, manchmal aber auch Wut und Empörung.
Wie gut, das alles vor Gott bringen und bei ihm abladen zu dürfen. Er sieht uns, wie er Lea und Rahel gesehen hat in ihrer jeweils verzweifelten Lage. Ihm sind unsere Gefühle, unsere Freude, aber auch unsere Traurigkeit und unser Schmerz nicht egal. Das spürte man auch bei der Hl. Messe mit Pfr. Peter Lauer in der Hauskapelle.
Die Schweigezeit am Samstag war keine verlorene Zeit, sondern bot Gelegenheit, sich selber auf die Spur zu kommen und – ohne alle Störung von außen – in sich hineinzuhorchen und seine Gefühle und Gedanken ganz intensiv wahrzunehmen. Zu emotionalen Erlebnissen der besonderen Art führte uns das Bibliodrama am Samstagnachmittag. Dabei ist nie vorauszusehen, wie sich das „Spiel“ entwickelt, für das es kein Drehbuch und keinen vorgefertigten Text gibt. Da gibt es Situationen zum Lachen und zum Weinen, die ganze Bandbreite menschlicher Empfindungen eben.
Nach dem Abendessen machten wir einmal einen Spaziergang durch die herrliche Natur, ein andermal saßen in froher Runde zusammensaßen, redeten, lachten und waren eine schöne Gemeinschaft, die gut miteinander harmonierte.
Am Sonntagmorgen, als die letzten Stunden auf Berg Moriah angebrochen waren, versammelten wir uns zu einem Wortgottesdienst mit Agape, in dem sich alle Erfahrungen der vergangenen Tage noch einmal spiegelten. Das geteilte Brot und die Trauben erinnerten an die Zusage Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Genauso wurde es auch gesungen und empfunden! Er heilt, die zerbrochenen Herzen sind. Und dieses „Herz“-liche drückte sich auch in einer kleinen Karte aus, die jeder Teilnehmerin zum Abschied geschenkt wurde.
Dann der letzte Tanz, ein letztes Mal an den Händen fassen… In der Abschlussrunde zeigte sich schon die Wehmut über den bevorstehenden Abschied, es aber auch das Versprechen: Wir sehen uns wieder! Die Zimmer sind für nächstes Jahr vom 10. bis 13. September 2026 schon gebucht. Mein Bericht endet mit einem ganz großen Dank an Therese Thewes, unsere Geistliche Begleiterin, die uns sachkundig und mit viel Einfühlungsvermögen durch diese Tage geführt hat, an alle, die dabei waren und dem bekannten Slogan: Auszeit im Kloster – mit der kfd St. Wendeler Land immer eine Reise wert!
Text: Rosemarie Schmidt
Bilder privat


