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14.03.2019 08:00 Alter: 68 days

Buchtipp des Monats März: Engel des Vergessens

Die aktuelle Buchvorstellung in Kooperation mit borro medien


Titel Engel des Vergessens
Maja Haderlap: Engel des Vergessens; WALLSTEIN (2011)

Da in diesem Jahr die Frauen aus Slowenien zum Weltgebetstag eingeladen haben, hatte ich die Idee, im Internet nach einer Autorin aus diesem Land zu suchen. Ich habe eine Frau gefunden, die zwar in Österreich geboren und aufgewachsen ist, aber der Volksgruppe der Slowenen in Kärnten angehört.1961 in Eisenkappel geboren, verbringt sie ihre Kindheit und Jugend in den Bergen in Österreich nahe der Grenze zu Jugoslawien. Zu Hause wird slowenisch gesprochen und in der Schule Deutsch. Sie erzählt ihre ganz persönliche Geschichte und auch die ihrer Familie.Wie alle Volksgruppen, die durch politische Grenzen auf einmal anders gesehen werden, so ist es auch dort während der NS-Zeit und im 2. Weltkrieg geschehen. Einschneidende Erlebnisse: die Deportation der Großmutter und anderer Frauen nach Ravensbrück, während die Männer und Jungen als Partisanen kämpfen, die eigentlich die Verteidigung der Volksgruppe sind und der sich niemand entziehen konnte. Selbst als wieder Frieden war, wirkten die Schrecken des Krieges noch nach. Und die Volksgruppe der Slowenen wurde noch immer als anders angesehen.

Das Buch lässt sich nicht leicht lesen, lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass die Generationen nach einem Krieg kämpfen müssen. Maja Haderlap hat Theaterwissenschaften und Germanistik studiert und nach dem Tode ihres Vaters, der sein Leben lang mit einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ (wie man heute sagen würde) zu kämpfen hatte, ihre Geschichte zu Papier gebracht. Sie erzählt in sehr bildhafter Sprache, wie das Leben auf dem Lande war, von Höfen, die sich in die Landschaft einfügen und wie die Jahreszeiten mit all ihren Farben und Gerüchen das Leben gestalten. Trotz alledem tauchen die Folgen des Krieges immer wieder auf. Der Umgang damit ist für sie als Kind nicht einfach und wirft auch Schatten auf ihre Zukunft.
Kommt irgendwann der Engel und lässt sie die Schrecken vergessen, oder sind ihre Landsleute Engel, die vergessen wurden? Das Buch lässt erahnen, was Völker durchmachen, die zwischen die Fronten eines Krieges geraten.

Auf der Einladungskarte zum Weltgebetstag 2019 stand „Kommt, alles ist bereit“ und noch ein Satz: „Es ist noch Platz“. Wie schön wäre es doch, wenn wir alle zusammenrücken würden und jede und jeder seinen Platz finden würde. Ein anderer Blick in die Geschichte, der sich lohnt. Marita Fitzke, kfd-Diözesanvorstand

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Hinweis:
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Alle bisher rezensierten Bücher finden Sie ebenfalls auf einer eigenen kfd-Partnerseite auf borromedien.de. Diese erreichen Sie über folgenden Link: Partnerseite des kfd-Diözesanverbands Trier