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21.02.2019 18:12 Alter: 33 days

kfd-Vorstand traf sich mit Songül Karabulut, Stiftungsmitglied der „Freien Frau in Rojava“

Trotz Kriegsdrohungen aus der Türkei, der Besetzung von Afrin und eines Embargos, bauen die Menschen in den befreiten Gebieten Nordsyriens erfolgreich eine multiethnische, multireligiöse, gleichberechtigte und demokratische Selbstverwaltung auf.


2019_Rojava Scheck 

Der kfd-Diözesanvorstand überreicht 10.000 Euro Spende an Songül Karabulut für die Arbeit der Stiftung in Nordsyrien.
1. Reihe von links: Songül Karabulut (Stiftung der Freien Frau in Rojava), Ulrike Hoffmann (kfd-e.V. Vorsitzende), Margot Klein (kfd-Diözesanvorsitzende), Meike Nack (ehrenamtliche Projektreferentin),
hintere Reihen: kfd-Diözesanvorstandsmitglieder

Trier – Erstmalig besuchte ein Mitglied der „Stiftung der Freien Frau in Rojava“ aus Nordsyrien die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, kfd-Diözesanverband Trier. Die kfd unterstützt seit vier Jahren die Stiftungsarbeit mit Geldspenden für den Aufbau von Gesundheitsversorgung und medizinische Hilfe in Flüchtlingscamps sowie die Errichtung von Frauengesundheitszentren in den Kommunen, eine mobile Krankenstation und die Ausbildung von Gesundheitsarbeiterinnen.
Songül Karabulut ist für kurze Zeit in Deutschland und Meike Nack, ehrenamtliche Projektreferentin, begleitet sie. Es ist ein dichtes Besuchsprogramm. Der kfd-Diözesanvorstand macht sich seit der Besetzung von Afrin durch die Türkei große Sorgen um die Menschen und Projekte. Er sieht die Aufbauarbeit und Selbstverwaltungsstrukturen, durch die akuten Kriegsdrohungen aus der Türkei und den Rückzug der USA, in der Region Rojava gefährdet. Songül Karabulut bestätigt diese Einschätzung und sieht die Sicherheit der ca. 5 Millionen Menschen, die in der befreiten Region leben, bedroht. Die internationale Duldung der kriegerischen Besetzung von Afrin durch die Türkei sowie die Grenzschließung mit einer Mauer zwischen der Türkei und Nordsyrien, so Karabulut, wird als eine direkte Kriegsgefahr für ganz Syrien gesehen. Für die Menschen in Syrien ist es wichtig, dass sie Unterstützung erfahren. Die Partnerschaft motiviert sie, weiterhin an ihrer Idee festzuhalten, Widerstand zu leisten, für eine freies Rojava und die Selbstbestimmung zu kämpfen. Für die kurdische Bevölkerung geht es um die Anerkennung ihrer Werte, ein System und ein Land in dem sie leben wollen.
Das gelebte Modell der gleichberechtigten, demokratischen Selbstverwaltung etabliert sich und weitet sich in die arabischen Regionen aus. Songül Karabulut hofft für den Friedensprozess auf eine strukturelle Veränderung des Regimes und die Etablierung von demokratischen, selbstverwalteten Regionen nach dem Vorbild von Rojava. „Es besteht ein anfänglicher Dialog zwischen dem Assad-Regime und den demokratischen Kräften von Rojava, es ist aber kein Verhandlungsstatus erreicht.“ Ein Frieden ohne die internationalen Kräfte, so Karabulut, ist nicht möglich, weil auch diese investiert haben und ihre Interessen verfolgen, 70 % der Ölquellen liegen in der Region Nordsyriens.
Die Menschen in der Region bereiten sich auf Angriffe vor und organisieren die Aufgaben, u.a. die Gewährleistung der medizinischen Versorgung. Gegen Luftangriffe können sich die Verteidigungskräfte Nordsyriens nicht wehren, deshalb wird eine international garantierte Flugverbotszone für Nordostsyrien gefordert und zu einer Solidaritäts- und Protestaktion aufgerufen.
Ungeachtet dieser Entwicklung, leistet die Stiftung weiterhin Aufbauarbeit. In Kobane wurden z.B. 25 Hebammen und Krankenschwestern ausgebildet. Sie arbeiten in den neu geschaffenen Kliniken oder im mobilen Dienst, welcher regelmäßig die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen sichert. In den arabischen Regionen werden Frauenhäuser, das sind Beratungszentren und ein Frauenverteidigungshaus (vglb. mit einem Frauenhaus in Deutschland), aufgebaut und begleitet. Weitergeführt wird das Engagement in den Flüchtlingscamps, dem Aufbau von Kindergärten und Schulen.
Zum Ende des gemeinsamen Gesprächs bittet Songül Karabulut die kfd um Unterstützung der Forderungen nach einer Flugverbotszone für Nordostsyrien und die Einbeziehung der kurdischen VertreterInnen in die Friedensgespräche und lädt eine Delegation der kfd zu einem Gegenbesuch nach Nordsyrien ein.

Text und Foto: Petra Erbrath