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22.08.2017 13:42 Alter: 34 days

kfd-Dekanat Koblenz: Eine Reise ins zweite Jahrhundert

Katholische Frauen fahren zu den „Matronen der Eifel“


Matronensteine in der Eifel

Koblenz – Die katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) Koblenz hat am 15. August eine Fahrt zu den „Matronen der Eifel“ unternommen. Unter der Leitung von Pastoralreferentin Jutta Lehnert vom Dekanat Koblenz ging es am Tag Maria Himmelfahrt darum, in der keltisch-germanisch-römischen Matronenverehrung einen Zugang zur „weiblichen Seite Gottes“ kennenzulernen, die sich auch mit der Marienfrömmigkeit verbindet.
Mehr als 800 Matronensteine hat man in der Gegend von Nettersheim (Nordeifel) bis Köln gefunden. Alle zeigen die verehrungswürdigen Frauen als Dreifaltigkeit auf die gleiche Weise: Die beiden Älteren mit Hauben sitzen an den Seiten, die Junge mit offenem Haar in der Mitte, alle gewandet in ubische Festgewänder. Sie halten Schalen oder Früchte in den Händen. Auch die Verzierungen der Steine mit Bäumen, Vögeln oder Früchten verweisen auf den keltischen Kult der „großen Mutter“, der von Dankbarkeit gegenüber dem Leben geprägt war. Die Namen der Frauen weisen sie als Schutzgöttinnen für ein bestimmtes Gebiet aus.
Einheimische Söldner des römischen Besatzungsheeres errichteten die Votivsteine, von denen viele bis heute erhalten sind. Vor allem, als sie im 2. Jahrhundert zu Auslandseinsätzen der römischen Armee geschickt wurden, wollten sie ihre Familien dem Schutz ihrer Matronen anempfehlen. Es gibt auch Danksteine für gesunde Heimkehr oder für Rettung aus Not. Das bei Nettersheim ausgegrabene Matronenheiligtum ist im 3. Jahrhundert verfallen.
Eine ganz andere Geschichte erzählt das Matronenheiligtum im benachbarten Nöthen: Obwohl das Christentum seit dem Jahr 325 als offizielle Reichsreligion durchgesetzt wurde, baute man 330 das Baumheiligtum der Matronen zu einer eindrucksvollen Pilgerstätte aus. „Im Jahr 400 müssen die Konflikte zwischen der neuen Religion und dem alten Kult, dem zunehmend patriarchalisierten Christentum und der Verehrung der drei Frauen eskaliert sein“, erklärt Jutta Lehnert. Das riesige Pilgerzentrum wurde niedergebrannt, die Matronensteine wurden zerschlagen. „Die Chance zur Integration unterschiedlicher Gottesvorstellungen und einer Verbindung der Traditionen wurden vertan“, berichtet die Pastoralreferentin.
Die Matronenverehrung hielt sich trotz des Verbots im Jahr 350 noch einige Jahrhunderte, bis die drei Frauen ab dem 16. Jahrhundert umgewandelt in die jungfräulichen Schwestern „Fides, Spes und Caritas“ wieder in einigen Kirchen der Eifel auftauchten.
„Vor diesem Hintergrund ergeben sich Fragen an die Entstehungsgeschichte der Kirche und ihre frauenverachtende Struktur bis heute“, so Jutta Lehnert. Die Reise in die Vergangenheit diene dem Selbstbewusstsein der Frauen und ihrem Mut, die „symbolische Ordnung“, die unbewusst von Religion und Glaube ausgeht, kritisch im Blick zu behalten. „Wer um die eigene Geschichte weiß, weiß auch Fragen zu stellen an die Gegenwart“.
Text: Jutta Lehnert
Foto: Privat



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