Oktober 2020

Mechthild vom Magdeburg

„Gott grüße dich, Frau Minne“

„Eine heilige Aufmerksamkeit sollen wir für uns selbst haben und zu allen Zeiten in uns tragen, dass wir uns vor Gebresten bewahren. Eine liebevolle Aufmerksamkeit sollen wir für unsere Mitmenschen haben. Ihnen die Fehler wohlmeinend allein offenbaren. So könnten wir uns viel unnütze Rede ersparen.
Amen.

                                                                                  (Das fließende Licht der Gottheit II,26)

Achtsam, fair und ehrlich mit sich selbst und den anderen umgehen, so kann das Zusammenleben in unseren Gemeinschaften gelingen. Diese Hinweise und Mahnungen sind aktuell und dennoch stammen sie von einer Frau, die vor mehr als 800 Jahren lebte und wirkte: Der Mystikerin Mechthild von Magdeburg. Mechthild, eine junge Adlige, die die Sicherheit ihrer Burg verlassen hatte, um mit anderen Gleichgesinnten in der Stadt Magdeburg als Begine ein eigenständiges Leben zu führen und sich in den Dienst der Armen und Kranken zu stellen. Beginen lebten im Mittelalter nach dem Ideal der Armut und konsequent in der Nachfolge Jesu. So wurden sie auch mehr und mehr zu einem Stachel im Fleisch der kirchlichen Würdenträger, der Mächtigen und Reichen.

Die Kraft zu diesem selbstbestimmten Leben im Geist des Evangeliums erwuchs Mechthild aus ihren mystischen Erfahrungen, die sie sowohl in größte Nähe zu Gott brachte, ihr aber auch tiefste Gottferne und Wüstenerfahrungen bescherten.

Mechthild schrieb später diese Erfahrungen auf. Es entstanden nach und nach 7 Bücher, die sie zusammenfasste unter dem Titel: „ Das fließende Licht der Gottheit“. Ein Werk voller Poesie und Kraft, inspiriert vom Minnegesang ihrer Zeit und dem Hohen Lied der Liebe. Mechthild hat damit maßgeblich zur Entwicklung der deutschen Sprache beigetragen. Hart prangerte sie die Selbstsucht und Eitelkeit des Klerus an. Der größte Skandal aber war, dass eine Frau sich in ihrer Rede von Gott in den Bereich des Heiligen vorwagte. Als der Druck gegen sie und die ganze Beginenbewegung zu groß wurde, suchte und fand sie Schutz im Kloster Helfta. Dort vollendete sie ihr Werk und begründete zusammen mit anderen großen Frauen ein geistiges Zentrum für Frauen, wurde Lehrmeisterin der Mystik.

Auch uns Frauen in der kfd kann Mechthild von Magdeburg Mut machen: Nämlich zu dem zu stehen, wozu wir berufen sind. Frauen und Männer sollen und dürfen ihre geistige Autorität einbringen in das Leben der Kirche, zum Wohle aller. Wir sind berufen im Geist des Evangeliums zu leben und Dinge beim Namen zu nennen. Im Vertrauen darauf, dass Gott an unserer Seite bleibt.


Text: Klara Johanns-Mahlert
Bild: „Gott grüße dich, Frau Minne“